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JournalistIN

Am Rande der Juristerei:
JournalistIn – DER Traumberuf für JuristenInnen?

Um es gleich vorweg zu sagen, DIE Journalistin, DEN Journalisten gibt es nicht. Der Hang (der Zwang?) zur Individualität ist in diesem Berufszweig deutlich häufiger angesagt als anderswo. Das ist vornehmlich darin begründet, daß die Kunden (Leser, Hörer und Zuschauer) der journalistisch tätigen Rechercheure, Reporter und Redakteure ständig nach Neuem verlangen. Variatio delectat, nirgendwo ist dieses Leitmotto wichtiger als in diesem Beruf. Mathias-Josef Zimmermann vom WDR-Ratgeber Recht über die Eignung von Juristen für den Journalistenberuf.


Juristen ist in aller Regel der Hang zur Individualität während des Studiums gründlichst ausgetrieben worden. Mag auch die Auslegung ein und derselben Norm oder ein und desselben Tatbestandes, bei zwei Juristen zu drei unterschiedlichen Ergebnissen führen (Sie kennen den Kollegen-Flachs!), der Weg dorthin folgt strengen Regeln, strengen Vorgaben. Deren wichtigste ist sicher die, daß vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind (zu sein haben).
Und noch etwas unterscheidet Juristen und Journalisten fundamental voneinander, deren Denke und daraus folgernd deren Sprache. Von Journalisten verlangt man, daß sie Kompliziertes einfach darstellen und vermitteln können. Die Umkehrung dieser Forderung (nämlich Einfaches zu komplizieren) als für Juristen typische Handlungmaxime zu beschreiben, wäre sicher polemisch. Gleichwohl ist die Beachtung der tausend Wenns und Abers für Juristen tägliche Übung. Die Neigung, diese tausend Wenns und Abers gar in einen einzigen, endlos langen Satz zu fassen, ist (leider immer noch) unter der Juristen häufig die Regel. (Auch wenn wichtige Funktionsträger der Juristerei von der Justizministerin bis zur Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts nicht müde werden zu fordern, das berühmt, berüchtigte Juristendeutsch aus Schriftsätzen, Urteilen und Gesetzestextes endlich zu verbannen.)
Jede Juristin, jeder Jurist, die/der im Journalismus ihren/seinen Traumberuf finden möchte, sollte sich dieser Schwierigkeit bewußt sein. Die Fähigkeit, ein Ereignis, dessen Hintergründe, dessen Konsequenzen auf den Punkt zu bringen – und zwar kurz und knackig – ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für diesen Beruf. (Eingestanden sei: Auch unter Journalisten gibt es solche, die zur Schwafelei neigen!)
Daß dies eine manchmal schwierige Umstellung verlangt, erlebe ich alle Jahre aufs Neue. Die Urteilsdatenbank des ARD-Ratgeber Recht im Internet wurde fast ausschließlich von Jura-StudentInnen erstellt. Allein das Umformulieren der von Gerichten vorgegebenen Leitsätze in "vernünftiges" Deutsch haben diese am Anfang als beinahe unsittliches Ansinnen der Redaktion erlebt. Daß dies nach ein paar Wochen dann meist doch klappte, führe ich auf die Beobachtung zurück, daß Juristen – platt ausgedrückt – im Allgemeinen nicht dumm sind.
Nach so viel Wenns und Abers nun endlich zur Praxis. Zu einem jeden guten Artikel, Bericht, Reportage gehört eine gute Recherche. Als ich mich daran machte, diesen Artikel zu schreiben, war ich eher skeptisch – was die Berufschancen für Juristen im Journalismus angeht. Am Ende der Recherche, wer denn unter den KollgInnen ein Jurastudium hinter sich hat, habe ich meine anfängliche, aus dem Bauch heraus entstandene Skepsis als unbegründet in den Papierkorb werfen dürfen. Es gibt deren doch mehr, als ich annahm. Dabei lag die Erkenntnis eigentlich so nah. "Meine" langjährige Moderatorin des ARD-Ratgeber Recht, Irmela Hannover, ist Volljuristin. Na logo, sie ist (auch) die Tochter eines berühmten Rechtsanwalts, dessen (manchmal schmerzvolle) Beschäftigung mit den Medien sie von Kindesbeinen an miterleben durfte.
Und da sind ein paar berühmte Namen mehr, davon seien nur zwei, drei hier genannt: Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Heribert Faßbender, Leiter der ARD-Sportschau - Alfred Biolek, showbegabtes Multitalent (Boulevard Bio), allesamt Volljuristen. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.
Und noch etwas ist mir bei der Recherche aufgefallen, AbsolventInnen der "klassischen" Ausbidlungswege zum Journalismus, Politikwissenschaft, Geschichte, Zeitungswissenschaft sind eher in der Minderzahl. Diplomierte der Journalisten-Schulen/Akademien gar haben überraschend selten bei Rundfunks eine Chance gehabt.
Die Gründe liegen auf der Hand: Das Handwerk kann man lernen, die Begabung nicht. Und was fördert die Begabung ans Tageslicht? Im Journalismus geschieht das nach einer inneren Logik und die ist – wie es scheint – fast ein Gemeinplatz: Lebenserfahrung fördert Begabung. Und ist die Juristerei nicht letztlich in Normen und Regeln gefaßtes pralles Leben!
Was also ist zu tun, um Juristerei und Lebenserfahrung, sprich Begabung bei den Medien in Stellung zu bringen? Schreiben, schreiben und nochmals schreiben, heißt die Parole. Warum zum Beispiel schreiben Sie nicht für diese Zeitschrift, berichten aus Ihrem Studentenleben, Oder bringen Sie sich bei Ihrem "Käseblättchen" von nebenan ein. Warum bieten Sie nicht dort in frühen Jahren – während des Studiums - schon "Artikelchen" an? Tun Sie das ohne großartige Forderungen. Freie Mitarbeit heißt am Anfang immer – kein Honorar. Die so gewonnenen (veröffentlichten) Arbeitsproben sind nicht nur hilfreich sondern auch notwendig, um im Auswahlverfahren um die begehrten Volontariatsplätze bei Zeitung, Rundfunk und Fernsehen überhaupt die Eingangshürden zu überwinden. Beim WDR bewerben sich im Schnitt etwa hundert mal mehr junge Menschen als die Anstalt an Ausbildungsplätzen zur Verfügung stellen kann.
Und selbst wenn es Ihnen nicht gelingt, einen Volontariatsplatz in einer Redaktion zu ergattern, macht das (fast) nichts. In keinem Beruf ist die Zahl der "Quereinsteiger" größer als im Journalismus. Talente machen hier – wie es scheint - eher ihren Weg als anderswo. Und freie Mitarbeit ist der Königsweg (auf den vielen Umwegs-Pfaden, die man gehen kann!)
Aber merke auch: Nirgendwo ist die "Ochsentour" länger als hier, nirgendwo setzt sich Begabung später durch. Die Gründe: Journalisten sind manchmal auch eitle Menschen, wie Paradiesvögel sich spreizende Individualisten. Neid, Intrige und Mißgunst sind selbst den aufgeklärtesten Protagonisten des Berufsstandes nicht völlig fremde Handlungsparameter. Und Angst vor der Jugend (Konkurrenz) – auch das findet man in diesem Genre nicht selten.
Bleibt am Ende eine ganz persönliche Anmerkung: Jahrelang habe ich einer Auswahl-Kommission für angehende Volontäre beim WDR angehört. Eine Aufgabe, die mich ganz schön bescheiden hat werden lassen. Mindestens die Hälfte aller Bewerbungen waren mit solch guten bis sehr guten Arbeitsproben garniert, daß ich mir manchmal habe eingestehen müssen, daß ich selbst - würde ich heute noch einmal als junger Mensch mit meinen damaligen Ansätzen antreten – wohl null Chancen hätte. Soll sagen, die Jungen von heute sind viel besser als ihr Ruf. Sie zählen ganz sicher auch dazu!

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